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Dienstag, 18. Dezember 2012

Westerwelle wirbt u. a. für Exekution Homosexueller

Die stillschweigende Billigung der angekündigten Ermordung einer entführten Journalistin stellt nicht den einzigen vom deutschen Außenminister zu verantwortenden Bruch mit politischen Traditionen der Bundesrepublik dar. Auch die Ermordung von Homosexuellen scheint neuerdings zum Freiheitsbegriff des deutschen Liberalen zu gehören. Aber zunächst zum beharrlichen Schweigen der deutschen Presse, deren extreme Selektivität zunehmend an das untergegangene Reich erinnert:

Am 9. Oktober wurde die ukrainische Journalistin Anhar Kochneva von syrischen Terroristen entführt. Zwei Monate vergingen, ohne dass die deutsche Presse den Fall beachtet hätte. Am 10. Dezember forderten die Entführer 50 Millionen Dollar und kündigten an, ihre Geisel zu enthaupten, wenn die geforderte Summe nicht bis zum Ablauf des 13. Dezember übergeben würde.


Anders als seine Amtsvorgänger, die in der Vergangenheit auf vergleichbare Fälle umgehend reagierten, ignorierte der deutsche Außenminister den Vorgang und wird dabei von der schweigenden deutschen Presse unterstützt. Beiden gemeinsam dürfte das Motiv sein, die eigene Parteinahme für syrische Terroristen nicht in schlechtem Licht erscheinen zu lassen.

Während auf Entführungen westeuropäischer oder amerikanischer Journalisten, wie im Fall des Briten John Cantlie und des Holländers Jeroen Oerlemans, umgehend reagiert wurde, und über die mit dem unter der Bezeichnung FSA bekanntgewordenen Dachverband syrischer Rebellengruppen in Kontakt stehende Türkei auf die Entführer Einfluss genommen und deren Freilassung durchgesetzt wurde, unterlassen europäische Außenminister im Fall der ukrainischen Journalistin jede Einflussnahme.

Stattdessen missbrauchen sie die von ihnen durchgesetzten Freilassungen, indem sie der von ihnen unterstützten Bürgerkriegspartei andichten (lassen), diese sei gegen die Entführer im Fall Cantlie/Oerlemans aus eigenem Antrieb vorgegangen, um die beiden entführten Journalisten zu befreien.

Nachdem Online-Aktivisten in Blogs und im Kommentarbereich der Online-Ausgaben wiederholt forderten, zum Fall der entführten Journalistin nicht länger zu schweigen, und dazu beizutragen, dass die bestehenden Kontakte genutzt werden, um ihre Freilassung durchzusetzen, was angesichts der Abhängigkeit der Aufständischen von westlicher Unterstützung ein leichtes sein dürfte, tischt die Redaktion des Spiegel inzwischen erneut das Märchen auf, diese stünden mit jenen Gruppen im Konflikt, die für Entführungen und Lösegelderpressungen verantwortlich sind.

Das aber geschieht weder zufällig noch aus Unkenntnis. Das gezielte Vorgehen gegen Journalisten ist eines der Markenzeichen jener in die FSA integrierter Extremisten, die als Jabhat Al-Nusra bekannt wurden, seit sie zu von ihnen ermordeten Journalisten Bekennerschreiben veröffentlichten und Todeslisten online stellten, in denen sie Steckbriefe syrischer Zivilisten zusammenfassen, die von ihnen verdächtigt werden, ihre Beobachtungen aus den Rebellengebieten an die syrischen Behörden weiterzugeben oder über Blogs und Facebook-Profile öffentlich zu machen.

Es ist den Redaktionen der deutschen Presse aus den von ihnen abonnierten Meldungen der internationalen Nachrichtenagenturen bekannt, dass die Jabhat Al-Nusra einen integrierten Teil der FSA darstellt, und sowohl vom auch in Deutschland vertretenen SNC als auch der sogenannten Nationalen Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte unter Ahmad Mouaz Al-Khatib Al-Hasani, einem Anhänger des ägyptischen Extremisten Yusuf al-Qaradawi, explizit vertreten wird.


Yusuf al-Qaradawi vertritt die Einführung der Todesstrafe für Homosexuelle in Syrien, bezeichnet Alawiten und Schiiten als Häretiker, und bezieht seine extremistischen Standpunkte aus den Schriften Hassan al-Bannas, der als einer der Begründer einer besonders rückwärts gewandten Spielart des politischen Islam gilt. Das Foto zeigt den deutschen Außenminister neben Ahmad Mouaz Al-Khatib Al-Hasani und wurde unter der Überschrift, "Westerwelle wirbt für Anerkennung der syrischen Opposition", auf dem Online-Portal seiner Partei veröffentlicht.

Dass Al-Hasani für die Forderungen des TV-Predigers al-Qaradawi steht, den er als "unser großer Imam" bezeichnet, und damit u. a. die Exekution Homosexueller befürwortet, kümmert den deutschen Außenminister ebenso wenig wie dessen politischer Einsatz für die von den USA als Terror-Organisation eingestufte Jabhat al-Nusra und die kurz vor diesem Handschlag übermittelte Ankündigung der von Al-Hasani explizit vertretenen Terroristen, Anhar Kochneva zu enthaupten.

Der dringende Aufruf der Organisation Reporter ohne Grenzen verhallt weiterhin ungehört.

Reporter ohne Grenzen am 12.12.2012

Mittwoch, 19. September 2012

Es reicht, Frau Merkel!

Ich zitiere aus der Antwort des Presseamtes der Bundesregierung im Auftrag der Bundeskanzlerin auf eine Anfrage um ihre Angehörigen besorgter Syrer in Deutschland:
"Die Bundesregierung hat die Parteien des innersyrischen Konflikts von Anfang an dazu aufgerufen, die Gewaltanwendung zu beenden und den Weg eines friedlichen politischen Ausgleichs zu suchen. Sie setzt sich im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen dafür ein, dass die internationale Gemeinschaft mit friedlichen Mitteln auf ein Ende des innersyrischen Konflikts hinwirkt."
Wie der internationalen Presse zu entnehmen ist, verweigert die Bundesrepublik an der Seite Frankreichs, Großbritanniens und der USA jede Initiative, einen an alle Beteiligten adressierten Aufruf zur Beendigung jedweder Gewalt abzufassen, und versucht stattdessen eigensinnig durchzusetzen, dass die Angriffe Aufständischer auf syrische Staatsbedienstete, Polizisten und Wehrpflichtige in den im Sicherheitsrat vorgelegten Resolutionsentwürfen ausgenommen bleiben.

Der deutsche Botschafter bei der UN Peter Wittig erklärte, eine Resolution des Sicherheitsrates nach Kapitel VII der UN-Charta erwirken zu wollen, die den innersyrischen Konflikt zu einer Gefährdung des internationalen Friedens erklären und den Weg zu einer militärischen Intervention frei machen würde:



In der Pressemitteilung der deutschen Vertretung bei der UN vom 30. Mai 2012 erklärte Wittig:
"Now let me emphazise on behalf of my government - my foreign minister made this point a couple of times: we stick to the Annan plan, we want to exhaust all possibilities for a political solution, we are against the militarization of the conflict. But we have to bring – above all – the Assad regime around to respect, to comply with the Annan plan. If that does not work we need to ratch up the pressure and then a chapter 7 resolution might be an option."
Und ergänzend dazu eine Woche später in der Pressemitteilung vom 7. Juni:
"We have to give the Annan plan peace teeth. And I made the suggestion that we need – mandated by the Security Council – a resolution under Chapter VII imposing sanctions on Damascus and all the spoilers of the Annan plan. [...] We have imposed sanctions by the European Union: sanctions that target the regime and I think that it has had a certain effect. The sanctions that we are calling for - of the Security Council under Chapter VII - would also be targeted sanctions to envisage those who are the spoilers of the Annan plan - and first and foremost that is the Syrian government."
Eine Resolution nach Kapitel VII deklariert Syrien zur Gefahr für den Frieden und ermächtigt jedes UN-Mitglied nach eigenem Ermessen militärisch zu intervenieren. D. h.: entgegen seiner beschönigenden Erklärungen, strebt Peter Wittig im Auftrag der Bundesregierung eine militärische Intervention in Syrien an.

Schlüssel und Motor der Aggression ist die gebetsmühlenartige Wiederholung von Anschuldigungen, die sich bei näherem Hinsehen als ebenso plump gelogen erweisen wie die eingangs zitierten Zeilen aus der Erklärung der Bundespressestelle. George Carlin: "Say something, do something different!".

Der deutsche Außenminister drängt seit April 2011 auf harte Sanktionen gegen Syrien (1), obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt gewesen ist, dass Heckenschützen unbekannter Herkunft und Zugehörigkeit für die Eskalation in Syrien verantwortlich waren, wie Anwohner auf der Videoplattform Youtube dokumentierten, die Aktionen solcher Heckenschützen heimlich gefilmt hatten.

Seitdem sich die Bundesregierung auf diesen Kurs festlegte, treten Sie und Ihr Außenminister von einer blindwütig fabulierenden Meute unredlicher Journalisten unterstützt immer wieder mit irreführenden Angaben an die Öffentlichkeit, um unter Missachtung der Tatsachen (2) und auf Kosten der syrischen Bevölkerung einen aggressiven Kurs gegen den syrischen Präsidenten Bashar Al-Assad zu fahren, dessen Rücktritt Ihr Außenminister bei jeder Gelegenheit fordert und zur Vorbedingung von Verhandlungen erhebt, womit der Friedensplan Kofi Annans unter Ihrer Verantwortung unterlaufen und die anhaltende Gewalt gegen syrische Sicherheitskräfte gefördert wird.

So nährt die deutsche Außenpolitik unter Ihrer Verantwortung die unrealistische Erwartung einer militärischen Intervention zugunsten der syrischen Aufstände (3), die bei deren Ausbleiben zum Scheitern verurteilt sind, und erst infolge der völlig überzogenen Erklärungen überdrehter Diplomaten an Intensität gewannen.

Damit verantworten Sie, Angela Merkel, zu einem erheblichen Teil, was in Syrien geschieht.

Ihnen ist aus den Lageberichten bekannt, die Ihnen regelmäßig vorgelegt werden, dass die syrischen Aufstände nicht etwa wie die Boulevard-Presse behauptet, im März 2011 infolge einseitiger Gewalt syrischer Sicherheitskräfte zustande kamen, sondern bereits im Sommer 2010 seitens saudischer Kleriker angekündigt und schrittweise herbeigeführt wurden, und von sunnitischen Extremisten mit außerordentlicher Brutalität, insbesondere gegen Alawiten, Christen, Juden und Schiiten, aber auch gegen säkular orientierte Sunniten, geführt werden.

Ihnen ist auch bekannt, dass Teile der syrischen Bevölkerung in Geiselhaft genommen wurden, indem Massaker und Morde an Prominenten mit damit einhergehenden Erklärungen begangen werden, in denen der Bevölkerung gedroht wird, um sie zur Unterstützung des Aufstands einer extremistischen Minderheit zu erpressen. In einer Erklärung des Al Sahaba Battalions vom 3. August heißt es:
"Jeder hat sich zu entscheiden: Zu welcher Kategorie will er zählen, auf welche Seite will er sich schlagen? Vor Gott bestehen zu können, dem Allmächtigen, hat diese Entscheidung zu bestimmen. [...] Möge dieser Prozess anderen eine Lehre sein, ihre Unterstützung des Systems einzustellen, sich Gott zuzuwenden und zu bereuen, bevor die Schwerter der Mudschaheddin ihre Köpfe abschlagen, um das Land Sham von ihrer Bosheit zu reinigen, so Gott will."
Exemplarisch verweise ich auf einen der Auftritte des syrischen Klerikers Sheik Muhammad Badi' Moussa im ägyptischen Fernsehsender Al-Hekma TV, der am 14. März 2012 öffentlich dazu aufrief, alawitsche Dörfer zu überfallen, um Massaker an Frauen und Kindern zu verüben:


Erklärungen wie diese gibt es seit Juli 2010. Sie gingen den Ereignissen des Frühjahrs 2011 voraus, wie Ihnen, Angela Merkel aus Lageberichten des BND bekannt ist, die Ihnen regelmäßig vorgelegt werden. Neben Muhamad Badi' Moussa tätigten der Saudi Mohamed Arifi, der Syrer Adnan Arour, aber auch mehrere deutsche Staatsangehörige ähnliche Äußerungen in der Öffentlichkeit (4).

Zu keiner der genannten Personen liegt ein internationaler Haftbefehl vor, und die Bundesrepublik hat unter Ihrer Führung in den vergangenen zwei Jahren keinerlei Anstalten gemacht, ein Verfahren gegen diese Organisatoren des Massenmords anzustrengen. Es gibt weder diplomatische Initiativen, diese nicht hinnehmbaren Aufforderungen zu unterbinden, noch sie strafrechtlich zu ahnden.

Stattdessen gefällt sich der deutsche Außenminister darin, zahnlose Rücktrittsforderungen in deutschen Boulevard-Blättern veröffentlichen zu lassen, in Moskau lächerliche Vorschläge zu unterbreiten, oder sich über einen unbedeutenden Film zu ereifern, gegen den ein paar hundert Extremisten unter der Flagge einer verbotenen Partei protestierten, weil ihnen die Darstellung ihres selbsternannten Propheten darin nicht frauenfeindlich genug und nicht homophob genug ausfiel.

Dass Ihnen, Frau Merkel, geistig umnachtete Despoten, die öffentlich Hexen enthaupten (5) und Kindern die Hände abhacken lassen (6), das ordnungsgemäße Verprügeln von Frauen lehren (7), und Terrorismus in aller Welt fördern (8), offenbar besonders ans Herz gewachsen sind, weswegen Sie diese von der Mehrheit der Weltbevölkerung zutiefst verachteten Verbrecher ungeniert zu Ihren geschätzten Partnern erklären, und - was an Dreistigkeit kaum mehr zu überbieten ist - als Stabilitätsanker bezeichnen (9), liegt ganz auf der Linie der Ihnen eigenen Verlogenheit, die Ihre Partei auf die schlechtesten Wahlergebnisse seit deren Gründung zurückfallen ließ.

Sie sprechen nicht für eine Mehrheit in diesem Land: Sie vertreten eine korrupte und kriminelle Minderheit, die das Kanzleramt zum Verfügungsgut des rechten Rands machte, eines braunen Abschaums, der dort seine Geburtstagsfeten feiert und das Land in den Abgrund reißt.


1) http://www.sueddeutsche.de/politik/unruhen-in-syrien-deutschland-draengt-auf-sanktionen-gegen-assad-1.1089894
2) http://www.sueddeutsche.de/politik/revolution-in-aegypten-proteste-in-syrien-gericht-loest-mubaraks-partei-auf-1.1086111
3) http://www.todayszaman.com/news-291764-germany-increases-support--for-syrian-opposition-fighters.html
4) http://www.islam21c.com/fataawa/2407-fatwa-on-syria-by-107-scholars
5) http://diepresse.com/home/panorama/welt/716080/Frau-in-SaudiArabien-wegen-Hexerei-hingerichtet-?from=simarchiv
6) http://www.thedailybeast.com/newsweek/2010/07/09/the-world-s-most-barbaric-punishments.html
7) http://www.youtube.com/watch?v=nhAYU_XN6DE (Sheikh Arifi: How to beat your wife)
8) http://www.guardian.co.uk/world/2010/dec/05/wikileaks-cables-saudi-terrorist-funding
9) http://www.fr-online.de/politik/panzer-deal-regierung-nennt-saudi-arabien--stabilitaetsanker-,1472596,8652296.html

Sonntag, 16. September 2012

Nein, Westerwelle! Ihre Freunde sind das Problem

Anlässlich der Erstürmung der deutschen Botschaft in Khartum gab der deutsche Außenminister Guido Westerwelle eine öffentliche Erklärung ab, mit der er sich die Auffassungen verfassungsfeindlicher Parteien wie der Hizb-ut-Tahrir zu eigen macht:


"Ich verstehe die Empörung in der islamischen Welt über dieses antiislamische Hassvideo. Ich verurteile dieses schändliche Video, aber es ist keine Rechtfertigung für Gewalt, es ist keine Rechtfertigung für die Erstürmung von Botschaften, es ist keine Rechtfertigung für die Gefährdung von Leib und Leben, für die Tötung von Menschen. Dieses Video, es ist unerträglich, es verletzt die Gefühle von Millionen gläubigen Menschen. Deswegen verurteile ich dieses Video mit allem Nachdruck, aber es ist keine Rechtfertigung für diese Gewalt. Diese Gewalt muss enden."
Zunächst mal ist Guido Westerwelle Außenminister, nicht Filmkritiker. Dass er den Film "Die Unschuld der Muslime" persönlich begutachtete, bevor er sich in seine überzogenen Wertungen verstieg, die an die Goebbelsche Diffamierung "entartete Kunst" erinnern, ist zu bezweifeln.

Darüberhinaus ist festzustellen, dass den Außenminister nichts legitimiert, Bücher oder Filme zu verurteilen. Sein Amtseid verpflichtet ihn auf das deutsche Grundgesetz, das in Artikel 5, Absatz 3 den Schutz der Kunstfreiheit garantiert. Internationale Vereinbarungen verpflichten den Außenminister darüberhinaus, die Wahrnehmung der Kunstfreiheit in den USA zu respektieren. Öffentliche Stellungnahmen des Außenministers zur Wahrnehmung der Kunstfreiheit und ihren Grenzen überschreiten nicht nur seine cineastische Kompetenz, sie sind verfassungswidrig:
Grundgesetz, Artikel 5:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Dem verbalen Amoklauf des offenbar völlig umnachteten Ministers muss entgegnet werden:

Es kann kein Verständnis dafür geben, dass sich Menschen aus eigenem Antrieb mit Inhalten von Büchern oder Filmen ihnen fremder Kulturen konfrontieren, um sich über deren Inhalte zu ereifern. Ebenso wenig kann und darf es Verständnis dafür geben, dass Hassprediger in aller Welt Bücher oder Filme gezielt mit untragbaren Wertungen versehen, um sie propagandistisch zu missbrauchen, und damit einen Mob in Bewegung zu setzen, der eine Meinungs- oder Gesinnungsdiktatur fordert.

Sie, Guido Westerwelle, bewegen sich mit Ihren überflüssigen Bemerkungen außerhalb der Rechtsordnung, wenn Sie im Stil Julius Streichers von einem "schändlichen Video" sprechen.

Die Vokabel Schande entspricht dem Jargon und dem Rechtsverständnis der NSDAP. Sie steht im Widerspruch zur deutschen Verfassung, und stellt die Verhältnisse geradezu auf den Kopf. Mit Verlaub gesagt: Die Meinung eines afrikanischen Mobs ist irrelevant. Es geht diese Leute einen Kehricht an, was in Europa oder den USA im Rahmen geltenden Rechts veröffentlicht wird.

Bücher und Filme verletzen keine Gefühle. Sie stehen fallweise mit menschlicher Herrschsucht in Konflikt, deren Anspruch Sie als deutscher Außenminister zurückzuweisen haben. Wer sich Bücher und Filme aus eigenem Antrieb verschafft, kann nicht geltend machen, dadurch von anderen verletzt worden zu sein. Afrikaner, Araber und Asiaten haben weder ein Vetorecht europäisches oder amerikanisches Filmschaffen betreffend, noch sind deren Herrschaftsideen für uns maßgeblich.


Darüberhinaus hat ein deutscher Außenminister dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die Bevölkerungsmehrheit in den betreffenden Ländern keineswegs die extremistischen Auffassungen salafistischer Organisationen teilt, die Sie offenbar entgegen unserer Rechtsnorm vertreten.

Dass hier ein amtierender Außenminister - obendrein als promovierter Jurist - mit dem Sprach- und Kulturverständnis eines angetrunkenen Migranten auftretend Grundwerte der europäischen Rechtsordnung hintertreibt, diffamierende Wertungen eines extremistischen Mobs übernimmt, und sich ungeniert in der affektierten Pose eines Josef Goebbels über einen Film äußert, den er selbst nicht mal gesehen hat, macht aus der Bundesrepublik eine Karikatur ihrer selbst.

Ihre Rede ist eine einzige Peinlichkeit, mit der Sie, Guido Westerwelle, sich die Standpunkte islamistischer Fanatiker zu eigen machen, sich von den Idealen der europäischen Aufklärung abwenden, und in aller Welt Irritation verursachen. Der Forderung nach Respekt vor einer umstrittenen historischen Figur, die sich selbst als Gesandten Gottes stilisierte, insbesondere nach einem Respekt, der jedwede Abbildung dieser Figur entgegen historischer Fakten zu idealisieren fordert, ist als despotischer Anspruch einer Minderheit gegen den Rest der Welt auf das Schärfste zurückzuweisen. Kein Nichtmoslem ist verpflichtet, dieser Figur auch nur den allergeringsten Respekt zu erweisen, und Sie, Guido Westerwelle, sind nicht legitimiert, die berechtigte Verweigerung dieses Respekts aus dem Amt des deutschen Außenministers heraus zu verurteilen.

Ihr Geschwätz stellt darüberhinaus einen Angriff auf die amerikanische Verfassung dar, unter deren Schutz der von Ihnen ohne jede Rechtfertigung verleumdete Film zweifellos steht.

Darüberhinaus belügen Sie die deutsche Öffentlichkeit, indem Sie den Film "Die Unschuld der Muslime" für die aktuellen Ausschreitungen verantwortlich machen. Verantwortlich sind aber vielmehr diejenigen Imame, die sich zwecks Verhetzung ihrer Anhänger in muslimischen Ländern eine arabische Übersetzung verschafften, auf die gestützt zu den Ausschreitungen aufgefordert wurde:



Ihr Versuch, von den Verursachern abzulenken (1), ist aber keineswegs durch Unkenntnis zu entschuldigen. Die Rolle islamistischer Hassprediger wird von Ihnen und Ihrem Untergebenen Peter Wittig, der auf Ihre Weisung hin als deutscher Botschafter bei der UN auf einen Angriffskrieg gegen Syrien hinzuwirken sucht, seit zwei Jahren systematisch heruntergespielt, obwohl Ihnen Berichte des BND, des BKA und des Bundesamt für Verfassungsschutz vorliegen, aus denen sich ein gänzlich anderes Bild ergibt als Sie der Öffentlichkeit im Einklang mit der Springerpresse vorgaukeln, um die von Ihnen organisierte Unterstützung terroristischer Vereinigungen in Syrien zu überspielen (2).

Sie sind ein Verfassungsfeind, und Sie verantworten die Unterstützung eines Angriffskriegs gegen Syrien an der Seite der Despoten Saudi Arabiens und Katars, die Sie schon aufgrund Ihrer eigenen Angaben zu Ihren persönlichen sexuellen Vorlieben auspeitschen lassen würden. Sie können die von Ihnen unterstützten Despoten nur aus dem Schutz Ihres Amtes heraus aufsuchen, ohne den man Sie dort womöglich hinrichten würde (3). Ihr "Liebhaber" dürfte das Risiko nicht eingehen.

Was Ihre salafistischen Freunde an diesem Film schändlich finden, ist die Andeutung, der Prophet hätte Homosexuelle wie Sie geduldet und nicht ausnahmslos ermordet. Was Sie hier vertreten und verteidigen ist der gewalttätig ausgedrückte Abscheu vor Homosexualität. Sie sind, mit Verlaub gesagt, nicht nur kein Liberaler, sie sind ein Vollidiot, der dieses Land blamiert.

Treten Sie zurück, Guido Westerwelle! Wir sind Ihre erbärmlichen Machenschaften ebenso leid wie Ihre untragbaren Äußerungen, die dem deutschen Ansehen in aller Welt erheblichen Schaden zufügen. Sie sprechen nicht im Namen der deutschen Bevölkerung. Wir stehen gegen Sie.


1) Die Kalifats-Bewegung (Hizb-ut-Tahrir):
http://www.hizb-ut-tahrir.org/index.php/DE/def
http://www.hizb.org.uk/current-affairs/insult-on-the-messenger-of-allah-sallallahu-alaihi-wasallam
http://www.thejakartapost.com/news/2012/09/14/hizbut-tahrir-holds-protest-us-embassy-jakarta.html
http://www.khilafah.com/index.php/the-khilafah/khilafah/14641-only-the-khilafah-can-protect-the-honour-of-the-prophet-muhammad-sallallahu-alaihi-wasallam

2) Westerwelle und Wittig an der Seite Saudi-Arabiens:
http://www.tagesschau.de/ausland/westerwelle1060.html
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/AAmt/BM-Reisen/2012/03-Golf/120311-Riad-node.html
http://webtv.un.org/topics-issues/member-states/saudi-arabia/watch/peter-wittig-germany-on-syria-–-security-council-media-stakeout-19-july-2012/1743727686001
http://www.welt.de/politik/ausland/article108841869/Was-sich-die-Muslimbrueder-fuer-Syrien-wuenschen.html
http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-08/syrien-opposition-abschlussdokument

3) Homosexualität in Katar und Saudi-Arabien:
http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualität_in_Katar
http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexualität_in_Saudi-Arabien