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Mittwoch, 26. September 2012

Spiegel und taz vertuschen Mord an Journalisten

Unter der entlarvend doppeldeutigen Überschrift "Aktivisten berichten von Kämpfen in Militärhauptquartier" setzt das ehemalige Nachrichtenmagazin Der Spiegel (1) seine mittlerweile an die Propaganda des dritten Reichs erinnernde Kampagne zum Syrien-Konflikt fort.

Während man in aller Welt mit Betroffenheit auf die Ermordung des Journalisten Maya Naser reagiert, der von einem Scharfschützen der antisyrischen FSA in Damaskus erschossen wurde, verbreitet das unter seinem Chefredakteur Georg Mascolo zur Propaganda-Postille des US State Department heruntergekommene Blatt eine zugunsten der Täter verfälschte Schilderung des Vorfalls, in der die Erschiessung des Journalisten nicht vorkommt:
"Die syrische Hauptstadt Damaskus ist am Mittwoch von zwei schweren Explosionen erschüttert worden. (...) Offenbar gab es bei der Tat mindestens einen Toten. Der englischsprachige Fernsehsender Iranian Press TV berichtete, einer ihrer Korrespondenten, der 33-jährige Syrer Maja Nasser, sei ums Leben gekommen."
Nahezu gleichlautend berichtet die taz (2), ohne sich an den Bericht der Quelle zu halten:
"Bei den Anschlägen ist am Mittwoch ein Journalist getötet worden. Der englischsprachige Fernsehsender Iranian Press TV berichtete, das Opfer sei ihr Korrespondent, der 33-jährige Syrer Maja Nasser."
Tatsächlich berichtete Maya Naser als Korrespondent des iranischen Fernsehsenders Press TV in Begleitung des Büroleiters des Al-Alam News Networks, Hossein Morteza, aus Damaskus über die Bombenanschläge auf das Generalstabsgebäude am Umayyaden-Platz, als sie von Scharfschützen der FSA unter Feuer genommen wurden. Maja Naser wurde durch einen Schuss in den Hals getötet, Hossein Morteza erlitt eine Rückenverletzung. Press TV berichtete zu dem Vorfall, und macht die Türkei, Saudi-Arabien und Katar für diesen Angriff verantwortlich. (3, 4)


Was zunächst auf einen Mangel an Detailkenntnis oder fehlenden Willen zur Recherche hinzuweisen scheint, die in diesem Fall durch einfaches Lesen der Originalmeldung zu erledigen gewesen wäre, hat Methode und folgt durchaus handfesten Motiven.

So unterstützt die Redaktion der taz die syrischen Mörder, indem sie sich an der Finanzierung für solche Anschläge unerlässlicher Kommunikationstechnik beteiligt. Nun kann man schlecht erwarten, dass jene Journalisten, die Terroristen finanziell unterstützen, offen über deren Morde berichten, und sich damit selbst anklagen.

Seit die Berichterstattung den arabischen Herbst, der ein islamistischer Frühling ist, zu einem demokratischen Aufbruch in der arabischen Welt erklärte, ohne die ihm vorweggehenden Aufrufe islamistischer Organisationen zu berücksichtigen, und Berichte über von Heckenschützen begangene Angriffe auf Demonstranten ebenso ignorierte wie die durch nichts zu rechtfertigenden Morde an unbeteiligten Polizisten und Angriffe auf Verwaltungs- und Militäreinrichtungen, sind die dafür Verantwortlichen auf den Erfolg der von ihnen unterstützen Terroristen angewiesen, der ihre realitätsfernen Darstellungen nachträglich überspielen und rechtfertigen soll.

So kann nicht verwundern, dass sie sich in unhaltbare Wertungen versteigen, wider besseren Wissens Regierungskräften Verantwortung für Massaker zuschreiben, die von Aufständischen begangen wurden, und systematische Morde an Journalisten zu Kollateralschäden von ihren Freunden begangener terroristischer Anschläge erklären.

Damit verlassen die Intentionen daran beteiligter Redaktionen den Rahmen der bloßen Einseitigkeit. Durch Unterschlagung von Fakten wirken sie auf die politische Beurteilung ein, werden zu Unterstützern des Terrors, zu Strafvereitlern und Anstiftern, die als willige Mittäter Beihilfe zur Rekrutierung des internationalen Jihad leisten, indem sie die Propaganda sunnitischer Extremisten verbreiten, ohne die der Zustrom ausländischer Terroristen in Syrien wesentlich geringer ausfiele.

Sie sind Fanatiker eines Krieges, der nicht mal der ihre ist, und fallen damit seriöseren Journalisten in den Rücken, die unter Einsatz ihres Lebens in Syrien recherchieren; wobei sie nicht zuletzt mithilfe jener nachrichtentechnischen Ausstattung ermordet werden, deren Beschaffung und Finanzierung von ihren deutschen Kollegen organisiert wird. Die deutsche Presse mordet nicht nur mit Worten. Deswegen muss sie diese Morde leugnen oder herunterspielen.

Maja Nasers Ermordung ist nicht das erste Verbrechen dieser Art, das von deutschen Journalisten übergangen wird. So wurde der Anschlag auf den Sender Al-Ikhbariya, bei dem drei Journalisten und vier Sicherheitskräfte getötet und das Gebäude gesprengt wurden ebenso heruntergespielt wie der Bombenanschlag auf die Niederlassung von Russia Today, die Ermordung des Fernsehmoderators Mohammed Said, des Journalisten Ali Abbas oder des Kameramanns Talal Janbakeli, um nur einige der gezielten Morde zu nennen, die einen systematischen Krieg gegen jede Form aufstandskritischer Berichterstattung dokumentieren, der mit der Abschaltung der Satellitenkanäle syrischer Fernsehsender und Cyberattacks auf syrische Webseiten einhergeht.

Berichtet wird dazu allenfalls in einer Randnotiz, eingebettet in eine jener unsinnigen Meldungen, die sich bei näherem Hinsehen meist als falsch erweisen, und die fast immer von jenem schon legendären Londoner Propagandisten aus dem Umfeld des Schlächters von Hama stammen, den uns Der Spiegel ungeachtet Tausender von Beschwerden seiner Leser als Menschenrechtsorganisation zu verkaufen versucht, was regelmäßig zu Protesten im Kommentarbereich der Online-Ausgabe führt, wo die Propagandisten des Endsiegs der Jihadisten tagtäglich ihr journalistisches Stalingrad erleben, durch ihre eigenen Leser, die sich zur Situation in Syrien besser informiert zeigen als die Redaktion.

Dass die Redaktionen der Ermordung ihrer Kollegen keinen größere Beachtung schenken, hängt eng mit ihrer eigenen Rolle in diesem Krieg zusammen, dessen Rechtfertigung an einem einzigen seidenen Faden hängt: der Schuldzuweisung die Anfänge des Konflikts betreffend. Es waren Zivilisten, die im März 2011 in die Menge feuerten, und sie wurden als Schabiha bezeichnet, was in Syrien nicht viel mehr bedeutet als; unbekannte Banditen ohne jede Kennzeichnung.

In der Berichterstattung mutierten diese Banditen zu alawitischen Milizen, die der Regierung nahestünden. So konnte man der syrischen Führung anlasten, was von unbekannten Tätern begangen wurde, und vom Kern des Konflikts ablenken, bei dem es um die Frage geht, ob der Staat oder die Religion die Gesetzgebung eines Landes zu bestimmen hat.

Den Morden an Journalisten Raum einzuräumen, hieße über die dazu abgegebenen Stellungnahmen der Verantwortlichen zu berichten, in denen die Ermordeten als Schabiha bezeichnet werden. Damit aber entlarvte sich die gesamte Berichterstattung der vergangenen 18 Monate als mindestens grob verfälscht. Wo Alawiten, Christen, Juden, Schiiten und Sunniten als Schabiha bezeichnet werden, und Journalisten ebenso wie Frauen, Kinder und Greise, ist eben nicht von alawitischen Milizen die Rede, und damit völlig offen, wer die Gewalt in Syrien zu verantworten hat.

Um dieses Eingeständnis zu vermeiden, lügen sie weiter und klammern sich an die Hoffnung, ein längst gescheiterter Aufstand könne wie durch ein Wunder ein neues Syrien hervorbringen, das ihren Lügen nachträglich eine Rechtfertigung geben könnte oder sie zumindest vergessen machen.

So wird in Syrien durchaus auch für die Gesichtswahrung eitler und oberflächlicher Schreibtischtäter gestorben, die sich ihrer Mitverantwortung niemals zu stellen brauchen. Sie verdienen damit ihr Geld. Ihren Opfern brauchen sie nicht ins Gesicht zu sehen.


1) http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-explosionen-im-zentrum-von-damaskus-a-857992.html
2) http://www.taz.de/Krieg-in-Syrien/!102401/
3) http://www.presstv.ir/detail/2012/09/26/263608/press-tv-correspondent-killed-in-syria/
4) http://en.wikipedia.org/wiki/Maya_Nasser

Mittwoch, 12. September 2012

Und hissten eine schwarze Fahne...

Am 11. September griffen Jihadisten der Hizb-ut-Tahrir die diplomatischen Vertretungen der Vereinigten Staaten in Kairo und Bengasi an, und ermordeten vier Menschen, darunter den US-Botschafter in Libyen, J. Christopher Stevens. Am 12. September erklärt der Spiegel Online, den dazu unisono veröffentlichten Angaben diverser Agenturen folgend, unter der Überschrift: "Islamisten töten US-Botschafter in Bengasi":

"Auch vor der US-Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt Kairo war es in der Nacht zu Ausschreitungen gekommen. Dort stürmten Demonstranten auf das Botschaftsgelände, rissen die US-Flagge herunter und hissten eine schwarze Fahne mit einer islamischen Inschrift."

Eine schwarze Fahne mit einer islamistischen Inschrift. Diese Angabe ist so irreführend wie die Umschreibung des Banners der NSDAP als einer roten Fahne mit einem schwarzen Symbol. Immerhin  handelt es sich um die Fahne der Hizb-ut-Tahrir, einer seit mehr als vier Jahren unter diesem Banner in Indonesien, Malaysia, Singapur, Bangladesch, Indien, Pakistan, Usbekistan, Dagestan, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan, der Ukraine, der Türkei, dem Jemen, Kuweit, dem Irak, Syrien, dem Libanon, Jordanien, Ägypten, Libyen, Algerien, Tunesien, Marokko, Mali, Somalia, dem Sudan, Australien, Großbritannien, den USA und in Deutschland auftretenden Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, den gesamten arabischen Siedlungsraum zu erobern und unter der Herrschaft der Scharia zu vereinigen.




Die Ursprünge dieser Bewegung reichen bis in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück und liegen in Indien, wo sich die Kalifatsbewegung als fundamentalistisch religiöser Flügel von der säkularen Muslimliga abspaltete, die islamische Republiken in West- und Ostpakistan (dem heutigen Bangladesh) anstrebte. Unter dem Namen Hizb-ut-Tahrir trat die Bewegung erstmalig 1953 in Ostjerusalem in Erscheinung. Ihr Schwerpunkt richtete sich bis in die 70er Jahre auf die Befreiung Palästinas. Nach dem Tod ihres Gründers Taqi ad-Din an-Nabhani wandte sich die Bewegung gegen den panarabischen Nationalismus, und stilisierte sich zur politischen Alleinvertretung der gesamten muslimischen Welt, die sie von westlichen Einflüssen zu befreien und in einem islamischen Superstaat zu vereinigen trachtet.




Die Ideologie der Hizb-ut-Tahrir basiert auf der Verneinung jedweder Legitimation menschlicher Souveränität, die als unvereinbar mit der alleinigen Souveränität Allahs angesehen wird, welche ihren letztgültigen Ausdruck im Koran, der Sira und der Sunna findet. Ihre Anhänger führen ethnische und politische Spannungen, wirtschaftliche Probleme, Armut, ja sogar Krankheiten auf die Korruption des menschlichen Denkens und Handelns zurück, die durch Einführung der Scharia in allen Lebensbereichen zurückgedrängt werden soll. Säkulare Prinzipien stellen in ihren Augen ein System der Ungläubigen dar, die sich durch demokratisch legitimierte Gesetzgebung Hoheitsrechte anmaßen, die allein Allah zustehen.


Die Bewegung organisiert sich dezentral. Ihrer Ideologie folgend vermeidet sie die Konfrontation mit der Zentralgewalt und setzt ihre Prinzipien durch Gewalt in der Peripherie von ihr angegriffener Staaten durch. Nach dem Vorbild der Taliban erobert sie einzelne Dörfer, Stadtviertel oder Straßenkreuzungen, führt exemplarische Hinrichtungen durch und setzt auf die symbolische Demonstration ihrer Kriegsführungsfähigkeit. Im Schatten der Berichterstattung um das amerikanische Konstrukt Al Kaida wurde die Hizb-ut-Tahrir nahezu unsichtbar, obgleich sie in Pakistan, Usbekistan, Kasachstan, dem Irak, Libyen, Ägypten und Syrien kontinuierlich durch Anschläge und Massaker in Erscheinung tritt.




Syrische Demonstranten skandieren ihre Parolen, in Libyen und Mali kontrolliert sie Territorien, die als Kalifatsgebiete unter ihrem Banner stehen, in der syrischen FSA bekennen sich Kommendeure offen zu ihrer Zugehörigkeit und im Irak werden die Flaggen der Bewegung über eroberten Polizeirevieren gehisst. Nach dem Massaker von Taldou (Al-Houla) traten die Täter mit den Abzeichen der Bewegung an die UNSMIS-Beobachter heran, um die von ihnen ermordeten Opfer vorzuführen. Seit mehreren Jahren veröffentlicht der amerikanische Zweig der Hizb-ut-Tahrir aufwendig produzierte Propagandavideos, mit denen der Jihad um die Wiedererrichtung des Kalifats angekündigt und beworben wird.

Wo er stattfindet, hissen sie eine schwarze Fahne mit einer islamischen Inschrift. Sie ist so bekannt, wie die Banner der NSDAP bekannt gewesen sind, Jahre bevor der Führerstaat ausgerufen wurde. Die rassistischen Phrasen beider Bewegungen nehmen sich nichts. Ebensowenig ihre Brutalität.